• Mehr als die Hälfte der Deutschen sagt, dass das Land bei zentralen Gesundheitsthemen gespalten ist.

  • 66 % der Befragten, die Deutschland bei wichtigen Gesundheitsthemen als gespalten wahrnehmen, berichten von einem Vertrauensverlust in das Gesundheitssystem. 

  • Gesellschaftliche Polarisierung, fragmentierte Informationsräume und der wachsende Einfluss von KI verändern, wie Menschen Gesundheitsinformationen bewerten und Entscheidungen treffen.

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Frankfurt am Main, 12. Juni 2026 – Ob Impfungen, psychische Gesundheit oder der Einfluss sozialer Medien: Gesundheitsthemen werden in Deutschland zunehmend emotional und kontrovers diskutiert. Der aktuelle “Edelman Trust Barometer Special Report: Trust and Health“ zeigt, dass diese Debatten nicht nur gesellschaftliche Spannungen verstärken, sondern auch das Vertrauen in Institutionen und Akteure des Gesundheitswesens belasten. Besonders besorgniserregend sind die weit verbreitete Sorge vor Fehlinformationen, politischer Polarisierung und die fehlende Orientierung in einer immer komplexeren Gesundheitslandschaft.

Gesellschaftliche Spaltung schwächt das Vertrauen

Fast 6 von 10 Deutschen sind der Meinung, dass das Land bei wichtigen Gesundheitsthemen gespalten sei. Unter ihnen geben zwei Drittel (66 %) an, dass diese Spaltung ihr Vertrauen in das Gesundheitssystem geschwächt hat. 53 % sagen zudem, dass dadurch auch die Glaubwürdigkeit der Politik in Gesundheitsfragen gelitten hat. Gleichzeitig verlieren viele Menschen das Vertrauen in die Medien als verlässliche Quelle für Gesundheitsinformationen.

KI und alternative Informationsquellen gewinnen an Einfluss

Der diesjährige Report zeigt deutlicher denn je, welchen Einfluss Künstliche Intelligenz bereits heute auf Gesundheitsentscheidungen hat. 24 % der Deutschen nutzen KI-Anwendungen zur Unterstützung ihrer Gesundheit – beispielsweise, um schnelle Antworten auf Gesundheitsfragen zu erhalten, Symptome einzuordnen, Behandlungsempfehlungen zu recherchieren oder medizinische Testergebnisse zu interpretieren.

Noch bemerkenswerter ist, dass mehr als die Hälfte der Befragten (56 %) glaubt, dass Menschen ohne medizinische Ausbildung, aber mit KI-Expertise, mindestens eine von fünf gesundheitsbezogenen Aufgaben genauso gut oder sogar besser erfüllen können als medizinisches Fachpersonal. Dadurch verschieben sich die Vertrauensverhältnisse. Ärztinnen und Ärzte konkurrieren zunehmend mit KI, sozialen Medien und anderen digitalen Informationsquellen um Einfluss auf Gesundheitsentscheidungen.

„Künstliche Intelligenz eröffnet Menschen neue Möglichkeiten, sich über Gesundheitsthemen zu informieren. Damit wächst aber auch die Bedeutung von Orientierung und Gesundheitskompetenz. Vertrauen entsteht künftig nicht allein durch den Zugang zu Informationen, sondern durch die Fähigkeit, deren Qualität und Relevanz richtig einzuordnen“, so Karl Stubbe, Head of Health bei Edelman Deutschland.

 

Kontroverse Gesundheitsüberzeugungen sind weit verbreitet

Der zunehmende Einfluss alternativer Informationsquellen zeigt sich auch in der Verbreitung kontroverser Gesundheitsüberzeugungen. Fast sieben von zehn Deutschen halten mindestens eine von sechs Aussagen zu Lebensmitteln, Impfstoffen oder Medikamenten für wahr.Dazu gehören Skepsis gegenüber Impfungen, Debatten über Fluorid im Trinkwasser, der Konsum von Rohmilch, tierische Proteine oder Fragen zur Einnahme von Medikamenten während der Schwangerschaft. Besonders ausgeprägt ist dieses Phänomen bei jüngeren Erwachsenen: 73 % stimmen mindestens einer dieser Aussagen zu. Mit der weiter steigenden Informationsflut könnte sich diese Entwicklung künftig noch verstärken.

Vertrauen entsteht dort, wo Orientierung und persönliche Nähe geboten werden

Während Institutionen, digitale Plattformen und neue Informationsquellen um Glaubwürdigkeit konkurrieren, bleiben persönliche Ärztinnen und Ärzte mit Abstand die vertrauenswürdigsten Stimmen, wenn es darum geht, die Wahrheit über Gesundheitsthemen zu vermitteln. „In einer offenen Gesellschaft gehört es dazu, dass Menschen bei Gesundheitsthemen unterschiedliche Ansichten vertreten. Entscheidend ist nicht vollständige Einigkeit, sondern die Bereitschaft, auf der Grundlage von Fakten, Transparenz und gegenseitigem Respekt miteinander zu diskutieren. Dort, wo das gelingt, entsteht Vertrauen. Und dies bleibt die wichtigste Grundlage für informierte Gesundheitsentscheidungen“, fasst Karl Stubbe zusammen.

„In Zeiten von Abschottung entsteht Vertrauen dort, wo es sowohl Menschen als auch Institutionen gelingt, Unterschiede zu überbrücken. Trust Brokering bedeutet, Unterschiede nicht zu überdecken, sondern zu übersetzen und gemeinsame Interessen sichtbar zu machen. Unternehmen, insbesondere der eigene Arbeitgeberhaben heute die größte Verantwortung und zugleich die größte Chance, Vertrauen über gesellschaftliche Gräben hinweg aufzubauen“, so Nils Giese.

Gemeinsame Verantwortung aller Institutionen

Das Trust Barometer 2026 macht zudem deutlich, dass keine einzelne Institution diesen Wandel allein bewältigen kann. Gleichzeitig zeigt sich eine Umsetzungslücke: In Deutschland sagen nur 33 %, dass die Regierung Gräben wirksam überbrückt und Vertrauen fördert, verglichen mit 39 % bei den Medien, 42 % bei der Wirtschaft, 33 % bei NGOs und 55 % (unter Beschäftigten) beim eigenen Arbeitgeber.

  • Unternehmen können Vertrauen stärken, indem sie Begegnung und Austausch über Unterschiede hinweg ermöglichen etwa durch das gezielte Zusammenbringen von Mitarbeitenden mit unterschiedlichen Hintergründen (73 % der Deutschen halten dies für wirksam) oder durch Partnerschaften mit unerwarteten Organisationen, um interkulturellen oder parteiübergreifenden Dialog zu fördern (68 %).
  • Politik und öffentliche Verwaltung stehen in der Verantwortung, den Ton zu setzen und den zivilen Diskurs zu sichern: Als wirksam gelten in Deutschland unter anderem die Verpflichtung von Politikerinnen und Politikern zu respektvollem Diskurs (80 %), der Verzicht auf Rhetorik, die Gruppen beschuldigt oder diffamiert (79 %), sowie lokale Vermittlungs- oder Dialogprogramme von NGOs (69 %).
  • Von den Medien wird erwartet, deeskalierend zu wirken und fair zu kontextualisieren – etwa durch gleichberechtigte Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven zu zentralen Themen (83 %) sowie durch präzise statt überzogener oder angstschürender Schlagzeilen (81 %).

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