Institutionen hin zu Nähe und persönlichen Beziehungen.
- Abschottung als Realität: 81% der Deutschen sind zögerlich oder unwillig, Menschen zu vertrauen, die sich hinsichtlich Werte, Informationsquellen, Problemlösungsansätzen oder kulturellem Hintergrund von ihnen unterscheiden.
- Arbeitgeber als Vertrauensanker: Der eigene Arbeitgeber ist die einzige Institution im Vertrauensbereich (74 % Vertrauen unter Beschäftigten).
- Erwartung an Vertrauensbildung: Von allen Institutionen wird klar erwartet, gesellschaftliche Gräben zu überbrücken und Vertrauen aktiv zu fördern (Anteil derjenigen, die eine Verpflichtung sehen: Regierung 81 % / Medien 73 % / Wirtschaft 69 % / NGOs 61 % / eigener Arbeitgeber 69 % der Beschäftigten).
BERICHT HERUNTERLADEN PRESSEMITTEILUNG
Frankfurt am Main, 13. Februar 2026 – Das Edelman Trust Barometer 2026 zeigt für Deutschland eine tiefgreifende Verschiebung: Vertrauen ist nicht verschwunden, aber es zieht sich zurück. Statt abstrakten gesellschaftlichen Institutionen vertrauen Menschen zunehmend dem, was sie unmittelbar erleben – dem eigenen Umfeld, dem Arbeitsplatz und konkreten persönlichen Beziehungen. Mit einem Trust Index von 44 Punkten bleibt Deutschland auch 2026 im unteren Bereich des institutionellen Vertrauens. Diese Entwicklung ist kein kurzfristiger Ausschlag, sondern Ausdruck einer strukturellen Veränderung, die gesellschaftlichen Zusammenhalt, wirtschaftliche Transformation und Führung gleichermaßen betrifft.
Abschottung prägt das Vertrauen
Die deutschen Daten zeigen eine deutliche Verschiebung im Vertrauensklima. Der Zukunftsoptimismus ist weiter gesunken: Nur 8 Prozent der Menschen in Deutschland glauben, dass es der nächsten Generation besser gehen wird als heute - ein Rückgang um 6 Punkte im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig nimmt der Austausch über politische Unterschiede ab, und viele Menschen berichten von wachsenden Sorgen vor wirtschaftlicher Unsicherheit und gesellschaftlicher Spaltung. Vor diesem Hintergrund wird Vertrauen enger und selektiver vergeben. 81 Prozent der Menschen in Deutschland geben an, zögerlich oder nicht bereit zu sein, Personen zu vertrauen, deren Werte, Informationsquellen, Problemlösungsansätze oder kulturelle Hintergründe sich von ihren eigenen unterscheiden. Damit wird Abschottung zu einem prägenden Merkmal des Vertrauensklimas. Vertrauen konzentriert sich auf den eigenen Kreis und wird darüber hinaus eher unwahrscheinlich.
„Das Edelman Trust Barometer 2026 ist kein Blick nach vorn, sondern ein schonungsloses Lagebild. Es zeigt, wie tief der Zukunftspessimismus in Deutschland verankert ist und wie stark wirtschaftliche Unsicherheit, technologische Umbrüche und Sorgen um Stabilität das Vertrauen bereits aushöhlen. Wenn 81 Prozent der Menschen Vertrauen vor allem im eigenen Kreis zulassen, ist Abschottung keine abstrakte Debatte mehr, sondern gesellschaftliche Realität“, sagt Nils Giese, CEO von Edelman Deutschland.
Einkommensunterschiede prägen das Vertrauensklima
Ein zentrales Ergebnis des deutschen Trust Barometers ist, dass die größte Vertrauenslücke entlang der Einkommensgrenzen verläuft. Der Unterschied im Vertrauen zwischen hohen und niedrigen Einkommensgruppen beträgt in Deutschland 18 Punkte.
Arbeitgeber bleiben vertrauenswürdig – Führung wird zur Vertrauensarbeit
Besonders deutlich zeigt sich dieser Wandel am Arbeitsplatz. Mit 74 Prozent Vertrauen unter Beschäftigten ist der eigene Arbeitgeber die einzige Institution in Deutschland, die eine klare Vertrauensmehrheit erreicht. Demgegenüber liegen Wirtschaft (48 %), Medien (46 %), Regierung (42 %) und NGOs (41 %) im Bereich des Misstrauens. Unternehmen sind damit Orte, an denen Vertrauen konkret erlebt wird – durch Führung, Kultur und tägliche Zusammenarbeit.
Vermittlung wird zur zentralen Erwartung
Das Trust Barometer 2026 zeigt zudem eine klare Erwartungshaltung: Institutionen und Organisationen sollen aktiv Vertrauen zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen fördern. In Deutschland sehen 81 % die Regierung, 73 % die Medien, 69 % die Wirtschaft, 69 % (unter Beschäftigten) den eigenen Arbeitgeber und 61 % NGOs in der Pflicht, gesellschaftliche Gräben aktiv zu überbrücken und Vertrauen zwischen Gruppen aufzubauen, die einander misstrauen. Vertrauen entsteht dabei weniger durch Abgrenzung oder Überzeugung, sondern durch konkrete Maßnahmen der „Trust Brokering“-Rolle: Deeskalation, zivilen Diskurs, Verständigung und faire Einordnung unterschiedlicher Perspektiven.
„In Zeiten von Abschottung entsteht Vertrauen dort, wo es sowohl Menschen als auch Institutionen gelingt, Unterschiede zu überbrücken. Trust Brokering bedeutet, Unterschiede nicht zu überdecken, sondern zu übersetzen und gemeinsame Interessen sichtbar zu machen. Unternehmen, insbesondere der eigene Arbeitgeberhaben heute die größte Verantwortung und zugleich die größte Chance, Vertrauen über gesellschaftliche Gräben hinweg aufzubauen“, so Nils Giese.
Gemeinsame Verantwortung aller Institutionen
Das Trust Barometer 2026 macht zudem deutlich, dass keine einzelne Institution diesen Wandel allein bewältigen kann. Gleichzeitig zeigt sich eine Umsetzungslücke: In Deutschland sagen nur 33 %, dass die Regierung Gräben wirksam überbrückt und Vertrauen fördert, verglichen mit 39 % bei den Medien, 42 % bei der Wirtschaft, 33 % bei NGOs und 55 % (unter Beschäftigten) beim eigenen Arbeitgeber.
- Unternehmen können Vertrauen stärken, indem sie Begegnung und Austausch über Unterschiede hinweg ermöglichen etwa durch das gezielte Zusammenbringen von Mitarbeitenden mit unterschiedlichen Hintergründen (73 % der Deutschen halten dies für wirksam) oder durch Partnerschaften mit unerwarteten Organisationen, um interkulturellen oder parteiübergreifenden Dialog zu fördern (68 %).
- Politik und öffentliche Verwaltung stehen in der Verantwortung, den Ton zu setzen und den zivilen Diskurs zu sichern: Als wirksam gelten in Deutschland unter anderem die Verpflichtung von Politikerinnen und Politikern zu respektvollem Diskurs (80 %), der Verzicht auf Rhetorik, die Gruppen beschuldigt oder diffamiert (79 %), sowie lokale Vermittlungs- oder Dialogprogramme von NGOs (69 %).
- Von den Medien wird erwartet, deeskalierend zu wirken und fair zu kontextualisieren – etwa durch gleichberechtigte Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven zu zentralen Themen (83 %) sowie durch präzise statt überzogener oder angstschürender Schlagzeilen (81 %).